The Longest Walker Staffel 2 – Interview mit dem Erschaffer Jörg Vollmer

Lieber Jörg,

als Extremwandershop und für mich als Extremwanderer Flo ist die YouTube-Produktion „The Longest Walker“ natürlich mega spannend! Im Mittelpunkt steht die wohl ursprünglichste Form der Fortbewegung: das Gehen auf den eigenen Beinen. Und das so lange, wie es eben geht.

„Es geht nicht immer nur um höher, schneller, weiter. Wir brauchen nicht in jeder Staffel einen neuen Rekord, sondern wollen unterhalten und Spaß haben.“ Jörg Vollmer

Und ganz wichtig und schon einmal aus dem folgenden Interview vorweggenommen: Wir sind uns alle einig, dass die eigene Grenze bei jedem eben eines ist: individuell. Was zählt, ist der Weg, den man geht, um sich an diese Grenze heranzutasten, sie zu spüren, zu ertragen und mit starkem Willen vielleicht sogar ein Stück weit zu verschieben.

Genau das ist die Leidenschaft, die wir alle teilen – seien es nun Trailrunner, Jogger, Wanderer oder Extremwanderer oder alle, die sich einmal in diesen Welten ausprobieren wollen und erste Erfahrungen sammeln.

The Longest Walker zeigt auf liebevolle, humoristische und ehrliche Weise, wie die Kandidaten ihren Weg gehen und dabei immer wieder an ihre Grenzen stoßen..

„Vielen Dank, dass du dich kurz vor dem Start der zweiten Staffel am 01.11.2026 unseren Fragen gestellt hast und uns einen exklusiven Einblick in die Idee, die Entstehung und die Besonderheiten von The Longest Walker sowie die Zukunft des Formats gewährst!“

The longest walker Jörg Vollmer

Zur Person – Wer steckt hinter The Longest Walker ?

Mein Name ist Jörg Vollmer, ich bin 41 Jahre alt und stehe hauptberuflich als Lehrer in NRW vor der Klasse. Sport begleitet mich schon mein ganzes Leben, und zwar in ganz unterschiedlichen Formen: Früher habe ich unzählige Stunden auf dem Fußballplatz verbracht, danach habe ich mich im Kampfsport ausprobiert und ausgetobt, und auch im Fitnessstudio bin ich bis heute gern. In den letzten Jahren habe ich dann das Joggen und Wandern für mich entdeckt. Ich glaube, genau diese Vielseitigkeit und vor allem der Reiz des Wettbewerbs, der in all diesen Sportarten steckt, haben einen großen Einfluss darauf gehabt, wie The Longest Walker entstanden ist und wie wir es heute umsetzen.

Was ist The Longest Walker ?

Das Konzept ist eigentlich simpel: Man startet und versucht, so viele Kilometer wie möglich zurückzulegen. Ob man geht, wandert, joggt oder eine Mischung aus allem macht, bleibt jedem selbst überlassen. Eine zeitliche Vorgabe gibt es nicht. Man ist so lange unterwegs, bis man abbricht, sei es vor Erschöpfung, wegen zu großer Schmerzen, weil man schlicht an seine Grenzen gekommen ist oder einfach nicht mehr weiter will.

In der ersten Staffel war jeder allein unterwegs, in der zweiten Staffel gehen die Teilnehmer zu zweit als Team. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, denn bei The Longest Walker wird nicht nur der Körper gefordert, sondern auch der Kopf. Alle zwei Stunden wartet eine Challenge, die man allein oder gemeinsam meistern muss, etwa Logik- oder Quizrätsel, aber auch ganz andere Aufgaben.

Je nach Ergebnis winkt eine Belohnung oder droht eine Bestrafung. Genau diese zusätzliche psychische Komponente gibt es so bei keinem Marathon, keinem Trailrun und auch nicht bei Formaten wie dem Last Soul Ultra oder 99laps. Und dann ist da noch die vielleicht härteste Regel: Stehen bleiben ist grundsätzlich nicht erlaubt. Die einzige Verschnaufpause gibt es alle zwei Stunden, und die dauert sechs Minuten. Ob man sie nutzt, entscheidet jeder selbst.

The Longest Walker Cover breit

Wie ist die Idee zu The Longest Walker entstanden?

Angefangen hat alles mit einem Buch. Vor rund 15 Jahren habe ich Stephen Kings „The Long Walk“ gelesen, und die Geschichte hat mich nicht mehr losgelassen. Immer wieder kam mir dieselbe Frage in den Kopf: Wie lange kann ein Mensch wirklich durchhalten? Wie weit kommt man ohne echte Pause, wenn neben dem Körper irgendwann auch der Kopf zu kämpfen hat? Schon damals war für mich klar: Das müsste man eigentlich mal selbst ausprobieren. Die zweite Initialzündung kam mit „7 vs. Wild“, dem ersten großen deutschen YouTube-Format im Outdoor-Bereich. Seitdem habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich beides miteinander verbinden kann: ein Outdoor-Projekt für YouTube und das Konzept aus „The Long Walk“.

The Longest Walker Streckenübersicht

Was erwartet uns in Staffel 2 ?

Das Grundprinzip bleibt, aber wir haben an einigen Stellschrauben gedreht, und viele Ideen dafür kamen direkt aus der Community. Die größte Veränderung sieht man sofort: Diesmal ist niemand allein unterwegs. Die Teilnehmer gehen als Zweierteams an den Start, müssen sich gegenseitig motivieren, durch Tiefs tragen und gemeinsam Entscheidungen treffen.

Auch bei den Regeln hat sich einiges getan. In Staffel 1 hatten Männer nur vier Minuten Pause, Frauen sechs. Jetzt gilt für alle dasselbe: sechs Minuten. Und eine Regel ist komplett verschwunden, nämlich der Kilometerabzug. Früher konnte eine verpatzte Challenge zum Beispiel zehn Kilometer von der Gesamtleistung kosten. Die Community hat abgestimmt, dass damit Schluss ist.

Jetzt zählt wirklich jeder Kilometer, den ein Teilnehmer gejoggt oder gewandert ist. Für mich persönlich war es wieder ein besonderes Erlebnis, selbst bei The Longest Walker mitzumachen. Es hat unfassbar viel Spaß gemacht, aber eben auch unfassbar viel Leiden mit sich gebracht. Umso schöner, dass diesmal mein guter Freund Dennis als Teampartner an meiner Seite war, der auch schon in Staffel 1 mitgelaufen ist.

Und dann kommt der Moment, auf den ich mich jedes Mal am meisten freue: der Schnitt. Alle laufen prinzipiell die gleiche Strecke, alle bekommen die gleichen Aufgaben, und trotzdem schreibt jedes Team seine ganz eigene Geschichte. Zu sehen, wie unterschiedlich die Teilnehmer mit den Situationen umgehen und was jeder Einzelne leistet, ist einfach ein Fest.

Wie werden die Teilnehmer für The Longest Walker ausgewählt ?

Das ist tatsächlich eine der Fragen, die wir am häufigsten hören. Unser Ziel ist ein möglichst bunt gemischtes Teilnehmerfeld, denn genau die Unterschiede machen das Format spannend. Entschieden wird dabei nie allein: In der Hauptverantwortung sind wir drei bis fünf Leute, und wer mitkommt, stimmen wir gemeinsam ab.

Weil es bei einem YouTube-Projekt natürlich auch um Reichweite geht, steht ein Teil des Casts schon vorab fest. Dafür sprechen wir gezielt interessante Persönlichkeiten und Influencer an. Viele davon kommen aus dem Wander-, Trail- oder Laufbereich, aber das ist ausdrücklich keine Voraussetzung. Bei uns kann prinzipiell jeder mitmachen, egal aus welcher Ecke er kommt.

Gerade die Mischung aus erfahrenen Sportlern und Leuten, die sich sonst eher in ganz anderen Welten bewegen, sorgt für die besten Geschichten. Und dann sind da noch die Wildcards. Für Staffel 2 haben uns knapp 20 Teambewerbungen erreicht, und die kamen aus allen möglichen Richtungen: aus der Sportbubble genauso wie aus der Gaming-Szene und vielen anderen Bereichen.

Die Auswahl war entsprechend alles andere als leicht. Zum ersten Mal mussten wir wirklich entscheiden, wer dabei ist und wer nicht, und jede Absage bedeutet auch eine Enttäuschung auf der anderen Seite. Diese Entscheidungen zu treffen, war für uns echt tough.

Was passiert hinter den Kulissen ?

Was die Zuschauer am Ende sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Lange bevor der erste Schritt gegangen wird, tüftelt unser Orga-Team an den Challenges. Die wichtigste Regel dabei: Kein Teilnehmer darf vorher wissen, was auf ihn zukommt. Genau dieses Ungewisse macht einen großen Teil des Reizes aus. Die Zuschauer
lieben The Longest Walker für die Landschaftsaufnahmen, die Persönlichkeiten und die lustigen Momente, aber eben auch für die Aufgaben, die immer wieder für Überraschungen sorgen.

Dazu kommt eine Menge Logistik. Diesmal waren wir im Schwarzwald unterwegs, also mussten Unterkünfte für alle her und während des Drehs Verpflegungsstationen entlang der Strecke. Die eigentliche Mammutaufgabe beginnt aber erst, wenn alle angekommen sind: Sechs Teams, zwölf Leute, gefilmt mit verschiedenen Kameras (Osmo Pocket 3, Osmo 360 und Osmo Action 4), dazu jede Menge Drohnenaufnahmen. Am Ende lagen über 2,2 Terabyte an Material auf dem Tisch.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir eine Situation, in der ein Gewitter aufzog, genau über dem Wald, durch den eines unserer Teams gerade lief. Wir standen wirklich kurz davor, die Reißleine zu ziehen und das Team von der Strecke zu holen. Das war schon eine besondere Situation. Die Teilnehmer sind zwar auf eigene Verantwortung dabei, aber als Veranstalter fühlen wir uns trotzdem für sie verantwortlich. Gleichzeitig sind Startpunkte und Termine feste Größen, die sich nicht einfach mal eben verschieben lassen. Ein gewisses Restrisiko bleibt immer, aber wir setzen alles daran, es so klein wie möglich zu halten.

Welche Rolle spielen Ausrüstung und Sicherheit ?

Das ist eigentlich die perfekte Überleitung. Auch bei der Ausrüstung haben wir auf die Community gehört: Anders als in Staffel 1 war diesmal jedes Team selbst für seine Verpflegung verantwortlich und konnte mitnehmen, was es braucht. Auch die Wahl des Rucksacks lag bei den Teams. Vorgegeben haben wir nur das Kamera-Equipment und für die Nacht die Stirnlampen – und zwar die großartigen Modelle, die uns der Extremwandershop zur Verfügung gestellt hat. Dafür noch einmal herzlichen Dank!

Wer viele Stunden und Kilometer unterwegs ist, merkt schnell, wie viel von der richtigen Ausrüstung abhängt. Sie ist ein elementarer Teil der Leistung bei The Longest Walker. Beim Thema Sicherheit nehmen wir unsere Verantwortung als Veranstalter ernst. Alle Teams werden durchgehend per GPS getrackt, und am Tracker befindet sich zusätzlich ein Notfallsender. Jeder hat außerdem ein Handy dabei, um im Notfall anrufen zu können, und aussteigen kann man ohnehin jederzeit. Für unsere weiblichen Teams hatten wir nachts zusätzlich sogenannte Spotter im Einsatz, sodass immer jemand in direkter Nähe war. Das mag auf den ersten Blick vielleicht etwas übertrieben wirken, aber uns ist es einfach wichtig, dass sich alle auf der Strecke sicher fühlen.

Wo soll sich das Format The Longest Walker  hin entwickeln ?

Wir verstehen uns als eine Art Bindeglied und möchten bewusst möglichst breit aufgestellt sein. Natürlich sind Wanderer, Jogger und Trailrunner bei uns richtig, aber genauso Menschen, die mit Sport sonst wenig am Hut haben. Wir bieten ihnen ein Erlebnis, dem man sich normalerweise so nicht stellt, und das auch noch im Wettbewerb gegen andere. Das gibt es in dieser Form unserer Meinung nach bisher nirgends.

Damit grenzen wir uns auch von Formaten wie dem Last Soul Ultra oder 99laps ab. Das sind großartige Events, aber dort zählt rein die Laufleistung. Bei uns stehen genauso die Persönlichkeiten im Mittelpunkt und die Frage, wie sie mit Challenges, Allgemeinwissen und Logikfragen oder Bestrafungen umgehen. Bei The Longest Walker ist uns eines ganz wichtig: Es geht nicht immer nur um höher, schneller, weiter. Wir brauchen nicht in jeder Staffel einen neuen Rekord, sondern wollen unterhalten und Spaß haben.

Gleichzeitig soll sichtbar werden, wie viel Aufwand und manchmal auch Leiden dahinterstecken. Natürlich geht es darum, die eigenen Grenzen auszutesten und zu verschieben, aber wo diese Grenze liegt, ist bei jedem anders. Das beste Beispiel ist Humi aus der ersten Staffel: Er hat keine 20 Kilometer geschafft, und trotzdem war das weder für uns noch für die Zuschauer eine schwache Leistung. Er ist wirklich an seine Grenze gegangen, sie lag eben nur woanders als bei den anderen.

Und wie geht es weiter? Die Planungen für Staffel 3 laufen bereits, und auf einen Ort haben wir uns schon mehr oder weniger geeinigt. Offen sind noch der Zeitpunkt und, wie jedes Mal, der Modus: wieder Teams, Einzelläufer oder vielleicht sogar eine Gruppenstaffel? Eines kann ich aber jetzt schon versprechen: Eine dritte Staffel wird es definitiv geben, ganz unabhängig davon, wie erfolgreich die zweite wird. Jetzt hoffen wir natürlich, dass die zweite Staffel den Zuschauern genauso viel Spaß macht wie uns und wir an den Erfolg der ersten anknüpfen können.

Ob beim Extremwandern, Trailrunning oder bei einem Format wie The Longest Walker: Am Ende geht es immer darum, herauszufinden, was in einem steckt. Wir sind gespannt auf Staffel 2 und wünschen allen Teilnehmern viel Erfolg auf ihrem Weg!

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